Gastspiele
Mai way Müntzer. Kopflos zum Friseur (Barbier) Thomas Müntzer und sein sperriges Erbe.
30.8., 19.00 Uhr
Wir begleiten den großen Reformationsrevoluzzer durch die Wirren des Bauernkrieges
im Mai 1525 zu der verhängnisvollen Entscheidungsschlacht in Frankenhausen und
seinem vorläufigen Ende bis zu seiner Wiederauferstehung nicht nur in diesem Theater.
Szenische Lesung mit Musik von und mit Schauspieler, Regisseur und Autor
Mex Schlüpfer.
Thomas Müntzer (1489 – 1525)
1531, sechs Jahre nachdem sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt und auf einem prominenten Platz in der Stadt zur Schau gestellt wurde, zürnte Martin Luther, dass zu Müntzers Richtstätte auf dem Rieseninger Berg viele „gewissenslose Leute“ pilgerten, die nicht nur aus dem nahen Mühlhausen kamen. Derart Verehrung müsse aufhören!
Doch Müntzer polarisierte über Jahrhunderte und erfuhr wegen seiner utopischen Vorstellungen die größte Aufwertung als eine Art Ehrenbürger in der DDR. Sein Satz: „Die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk.“, rüttelte an den Machtverhältnissen wie an denen des Eigentums. Den Schöpfer behielt Müntzer immer im Blick. Er wähnte Gottes Reich ganz nahe.
Der Autor Mex Schlüpfer schafft eine besondere Reflexion in diesem Monologstück, aus der sich eine Spannung aus Originaltext sowie verbürgten Ereignissen und zeitgemäßen Fragen nach dem weltanschaulichen Erbe Thomas Müntzers ergibt. Diese Kunstwelt, existierend aus einem dynamischen Prosatext, der Müntzers letzten Ritt vom Traum in die Katastrophe charakterisiert, feiert das Über-Leben des Revolutionärs in der Musik und den Liedern von und mit Mex Schlüpfer, der uns so vom Ballast der bisherigen Geschichte befreit und die jetzt neu erzählt werden kann.
Die Steckbriefe Thomas Müntzer und Mex Schlüpfer
Thomas Müntzer, 1489 – 1525. Revolutionärer Bauernführer, wichtigster Außenseiter der Reformation, Theologe der Revolution (stand später im Gegensatz zu Martin Luther), forderte weltliche Veränderungen (Macht, Eigentum u.a., siehe 12 Artikel), größter Wirkungskreis Thüringen
Mex Schlüpfer, Berliner, Jahrgang 1963, Schauspieler, Regisseur, Autor und Musiker, 1995 – 2001 Intendant und Künstler der R-Volksbühne im Tacheles Berlin, danach freischaffend, ab 2009 in mehr als ein Dutzend Inszenierungen von Frank Castorf an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, diverse Film- und Fernsehrollen sowie Hörspiele
1. August 2025 — SIGNALE Arbeitslosenörspiele der Zwischenkriegszeit Livehörspiel(e) |
In Kooperation mit Charlotte Reihs (Universität Wien), dem Theater »Die Andere Welt Bühne« (Strausberg) und Radio Industry findet am 1. August die Uraufführung und Liveaufzeichnung von zwei historischen Arbeitslosenhörspielen des Deutschen Rundfunkarchivs aus den späten 1920er- und frühen 1930er Jahren statt.
Mit dem Aufkommen des öffentlichen Rundfunks ab 1923 erlebte die Weimarer Republik einen tiefgreifenden medialen Wandel. Neben Musik und Nachrichten gewannen ab den späten 1920er-Jahren auch Hörspiele an Bedeutung, entwickelt von Autoren wie Kästner, Kisch, Brecht und Benjamin. Infolge der Massenarbeitslosigkeit entstanden gegen Ende der 1920er-Jahre sogenannte Arbeitslosenhörspiele – teils von Berufsautoren wie Döblin, teils von Arbeiterdichtern. Wegen ihrer politischen Inhalte wurden sie kaum im zensierten Staatsrundfunk gesendet und sind heute nur selten überliefert. Ein bisher wenig beachtetes Kapitel der Rundfunkgeschichte wird mit den hier aufgeführten Arbeitslosenhörspielen – Ludwig Spitzers »Dreher Schultz wird gekündigt« und Werner Schumanns »Im Takte der Maschinen« beleuchtet. Die zwei Hörspiele reflektieren auf jeweils unterschiedliche Weise das Thema Erwerbslosigkeit, machen in Wort- und Klangcollagen das gesellschaftliche Panorama der politischen und sozialen Probleme der 1920er-Jahre hörbar und schlagen den Bogen ins heute.
Die aufgezeichneten Hörspiele werden ihre Radiopremiere (mit ca. 100 Jahren Abstand) im Programm von Radio Industry – Festival für Kunst + Gegenwart (8.–21. September 2025) haben.
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Uraufführung am 1. August 2025, 19 Uhr
Kartenvorbestellungen: Die Andere Welt Bühne
mit: Stephan Baumecker, Ines Burdow, Vanja Hawemann, Christian Kuchenbuch, Melanie Seeland, Mex Schlüpfer
Regie: Ines Burdow
Musik: Grischa Lichtenberger
Tontechnik: Tim Andersen
Stephan Baumecker Absolvent der HfSK »Ernst Busch Berlin«, Engagements u.a. Nationaltheater Weimar, Schillertheater Berlin, Schauspielhaus Bochum, Berliner Ensemble, seit 2006 freischaffend, zusätzlich in vielen Filmen u.a. Herr Lehmann, Tatort, sowie als Sprecher und Synchronschauspieler Ines Burdow ist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin, Gastengagements an der Volksbühne Berlin, am Berliner Ensemble u.a. seit 2018 im Leitungsteam der Anderen Welt Bühne. Vanja Hawemann – Schauspielabsolvent Christian Kuchenbuch Absolvent der HfSK »Ernst Busch Berlin«, Engagements u.a. Hans-Otto-Theater, Deutsches Theater, Schauspiel Frankfurt, Centraltheater Leipzig, regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen. Mex Schlüpfer ist Schauspieler, Regisseur, Autor und Musiker. Er war u.a. am Berliner Ensemble und an der Volksbühne Berlin engagiert. Am 30. August in der Anderen Welt Bühne mit »Mai way Müntzer«, Szenische Lesung mit Musik von und mit Mex Schlüpfer. Melanie Seeland ist Schauspielerin, war u.a. am Theater Kassel engagiert, ist Teil des Entwicklungsteams des Alten Postgeländes Strausberg und im Leitungsteam der Anderen Welt Bühne. |
Grischa Lichtenberger, ist ein in Berlin lebender Musiker und bildender Künstler. Bekanntheit erlangte Lichtenberger erstmals durch seine experimentelle Musik, die gebrochene Beats mit eindringlichen Klanglandschaften und verzerrtem Gesang verbindet. Seit 2009 erscheinen seine musikalischen Kompositionen beim renommierten Chemnitzer Label Raster-Noton (seit 2017 Raster-Media). Er präsentierte audiovisuelle Live-Shows bei internationalen Festivals und Konzertveranstaltungen (u.a. Mutek Montreal, Electron Festival Genf, Sou Festival Tiflis). Neben seiner Musik ist Lichtenberger auch bildender Künstler, der immersive Installationen und Performances kreiert, die die Schnittstelle von Klang, Raum und Bild erforschen – dabei ist sein Werk keinen bestimmten Disziplinen (wie Musik, Bildender Kunst, Text, Theorie etc.) zugeordnet, sondern als intermedial verflochtenes Ganzes strukturiert, thematisch in größere Werkphasen gegliedert. Seine Arbeiten wurden in Galerien und auf Festivals auf der ganzen Welt ausgestellt. Im Laufe der Jahre hat Lichtenberger seinen Sound weiterentwickelt und Elemente aus Jazz, Pop und klassischer Musik in seine Kompositionen integriert. Er hat für internationale Tanzkompanien komponiert, darunter die Batsheva Dance Company (für Ohad Nahahins von der Kritik gefeiertes Stück »Last Work«) und Jessica Nupen.